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1. Dezember 2006
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Prof. Dr. Pokrowsky zu Gast bei Cassiopeia Saarlouis e.V.
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mit einem Vortrag
über
Die Geschichte der
Navigation
Von den Anfängen im Altertum bis zum GPS
Wir leben heute in einem Zeitalter in dem fast jeder Neuwagen satellitengestützte Straßenkarten hat, jeder Wanderer ein GPS Handgerät im Rücksack, die Wüstenfahrer ausgeklügelte doppelt verifizierende elektronische Positionsbestimmungsgeräte ins Fahrzeug einbauen, und Seefahrer verfügen ja über die modernste Technik an Bord.
Der Moderne Mensch weiß zwar, dass es eine „vor-GPS-Zeit“ gab aber, dass die Kunst der Navigation schon vor etwa 6000 Jahren in Indien und wahrscheinlich zur gleichen Zeit auch in Ägypten und dem heutigen Libanon schon beherrscht wurde, kann sich kaum noch jemand vorstellen.
In der Reihe der Veranstaltungen „Astronomie für jedermann“ bietet der Astronomieverein Cassiopeia Saarlouis e.V. in Zusammenarbeit mit der VHS der Stadt Saarlouis am
Freitag, 1. Dezember
um 20:00 Uhr
im Theater am Ring (Studio),
einen Vortrag über die Geschichte der Navigation – Von den Anfängen im Altertum bis zum GPS. Es referiert Prof. Dr. Pokrowsky von der FH Kaiserslautern.
Der Eintritt ist frei.
Vormerken: Zwei weitere
Veranstaltungen zum Thema Astronavigation
(Teil 1 Himmelsmechanik – Teil 2
Positionsbestimmungen)
werden in den kommenden Wochen angeboten.
Kleine
historische Einführung
in die Geschichte der Navigation
Die Kunst der Navigation wurde vor etwa 6000 Jahren zuerst in Indien auf dem Sindh und wahrscheinlich zeitnah auch in Ägypten und dem heutigen Libanon entwickelt. Diese Verfahren der Koppel- und teilweise Astronavigation wurden ursprünglich für die Seefahrt eingesetzt, ab etwa dem 1. Jahrtausend v. Chr. aber auch für Expeditionen zu Lande. In diesem Zeitraum befuhren die Phönizier als erste das offene Meer (im östlichen Atlantik und bei der Umrundung von Südafrika). Über Lotungen berichten Herodot (500 v. Chr.) und die Bibel, z. B. in Lukas' Apostelgeschichte (27, 28 – 30).
Die einfache Koppelnavigation mit dem Absetzen des Kurses sowie der Schätzung von Abdrift und Geschwindigkeit wurde etwa zur Zeitenwende um erste Messmethoden erweitert. Wo der Kompass erfunden wurde, ist immer noch umstritten; erstmals soll er in China im 11. Jahrhundert erwähnt worden sein, in Europa im 12. Jahrhundert. Die Küstenschifffahrt erfolgte aber weiterhin nach Sicht. Ab etwa dem 7. Jahrhundert ergänzten die Wikinger die Methodik durch Beobachtung von Vögeln, Wind und Strömungen und kamen um 980 bis 999 nach Grönland und Nordamerika. Die Araber perfektionierten astronomische Messgeräte (u. a. das Astrolabium) sowie Rechenmethoden und das stellten die ersten Seekarten her (siehe Piri Reis und Idrisi).
Spätestens im 4. Jahrhundert v. Chr. hatte jede Region im Mittelmeer ihr Seehandbuch. Solche sind aber im Jahrtausend zwischen Römerreich und dem Compasso di Navigare (1296) nicht überliefert. Das älteste mittelniederdeutsche "Seebuch" (um 1490) beruht auf Quellen aus dem 13. bis 14. Jahrhundert und beschreibt Meerestiefen, Häfen und Gezeiten, im jüngeren Teil auch Kurse zwischen verschiedenen Punkten. Etwa ab dem Ende des 13. Jahrhunderts tauchen die ersten Portolane auf, die das Mittelmeer und sämtliche Hafenstädte in verblüffender Genauigkeit wiedergeben. In Portugal gründete Heinrich der Seefahrer um 1420 die berühmte "Seefahrtschule", um die Erkundung Afrikas zu fördern. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde dort die astronomische Navigation nach Sonne und Polarstern zur Praxisreife entwickelt. Als Messinstrumente dienten dabei das am Pendelring gehaltene Astrolab und der Jakobsstab (Gradstock), für deren genaueste und kunstvolle Herstellung Nürnberg weltbekannt wurde.
Ab 1500 entstanden zahlreiche Weltkarten, es wurden Loggen und Quadrant eingesetzt und die Merkator-Projektion erfunden. Eine Lösung des Längenproblems gab es jedoch erst im achtzehnten Jahrhundert durch die Methode zur Messung von Monddistanzen zu Sternen (siehe auch Mondparallaxe) sowie durch die Konstruktion genau gehender Uhren. Berühmt wurden die 4 Chronometer (1735 – 1759) von John Harrison, dem aber ein Großteil des dafür ausgelobten Londoner Akademiepreises vorenthalten wurde, und der Streit um den 1731 – 1740 dreimal erfundenen Spiegelsextanten. Als der Bostoner Kapitän Thomas Sumner 1837 die Methode der astronomischen Höhenstandlinie gefunden hatte, fehlten auf die heute bekannten Navigationsprinzipien nur noch die Funknavigation (ab 1899) und die Trägheitsnavigation (J.M. Boykow 1935, Siegfried Reisch 1941). Die Nutzung von Erdsatelliten kann hingegen als Kombination von Astro- und Funknavigation betrachtet werden.
Heute werden Navigationssysteme (hauptsächlich automatisierte Verfahren zur Positionsbestimmung) in den Bereichen Seefahrt, Luftfahrt, Straßenverkehr und Landvermessung (Geodäsie) angewandt. Seit einigen Jahren entstehen auch kleine Geräte in Handyform für die Fußgängernavigation.